Schock im alten Viktoria-Hotel

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Finsterwalde Mitten in die Diskussion, ob es sich Finsterwalde leisten will, eine alte Web- in eine Veranstaltungshalle zu verwandeln, platzt ein neues Angebot, das das „Haus der Freundschaft“ wieder ins Gespräch bringt. Der Besitzer will es an die Stadt verkaufen. Abgeordnete haben es in dieser Woche besichtigt. Fazit: Das Haus ist in einem katastrophalen Zustand.

20.08.2011
Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende überzeugten sich mit eigenen Augen vom Zustand des alten Kreishauses. Foto: Dieter Babbe
Foto: Dieter Babbe
Als über 200 Interessenten im Herbst 2009 der Einladung der Lausitzer Rundschau zum Besuch des seit Jahren leer stehenden Kreishauses nutzten, bot sich ein erschreckendes Bild. Vandalen hatten bereits ganze Arbeit geleistet und die Räume verwüstet, Diebe hatten sogar mitgenommen, was man niet- und nagelfest glaubte. Den Rest besorgten die Tauben, die insbesondere die Bühne mit zentimeterdicken Kot belegten. „Inzwischen ist der Zustand nicht besser geworden“, stellte Rainer Böhmchen (BfF) mit Galgenhumor fest.

In der Tat ist es schon lebensgefährlich, vor allem den großen Saal des einstigen Viktoria-Hotels zu betreten. An vielen Stellen ist inzwischen die Decke herunter gekommen, wo große Löcher Nässe durchlassen. Das stört mache allerdings nicht, hier offensichtlich ihr Nachtlager aufzuschlagen. Etliche Matratzen liegen vor der Bühne nebeneinander gereiht und laden zum Schlafen ein. „Ständig werde ich informiert, dass Einbrecher in das Haus eindringen“, sagt Johannes Steyer, der Besitzer. „Inzwischen guckt die Polizei bei ihren Streifen regelmäßig vorbei.“

Er und Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) hatten den Besichtigungstermin vereinbart, nachdem Steyer der Stadt ein Kaufangebot gemacht hat. 100 000 Euro will er für das traditionsreiche Gebäude haben, das er vor Jahren vom Kreis für 50 000 Euro bekommen hat – allerdings im Paket mit sechs weiteren attraktiven Grundstücken. „Das ist mein Kritikpunkt“, sagt Bürgermeister Gampe, für den die Kreisverwaltung damals Tafelsilber verscherbelt hat. „Zu dem Zeitpunkt wäre das Haus noch zu retten gewesen.“

Wie die Stadt mit dem Kaufangebot umgeht, soll Ende des Monats zunächst im Kreise der Fraktionsvorsitzenden besprochen werden, die zur Besichtigung eingeladen waren. Doch schon jetzt gehen die Meinungen auseinander. Während für Rainer Böhmchen das Haus der Freundschaft abgeschrieben ist („Wir kommen bei dem Bauzustand zehn Jahre zu spät“), für Dr. Peter Jaskulla (FDP) erst klar sein muss, „was wir mit dem Haus machen wollen“, sagt Rainer Genilke (CDU): „Mein Herz schlägt für Viktoria. Das Haus ist beseelt von Kultur – im Gegensatz zur alten Tuchfabrik in der Leipziger Straße.“ Bahn, Bus und Parkplätze seien in der Nähe. Und er habe die Hoffnung, dass bei einem Kulturhaus an der Stelle ein Investor wieder Interesse am Gebäude vom Brückenkopf finde.
Von Dieter Babbe
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