Finsterwalder bleiben am Boden
Finsterwalde Die Flugzeuge bleiben in der Halle, ein Boeing-Kopilot am Boden. Das Wetter hat dem Finsterwalder Flugsportverein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Luftsportfans verlegten ihr Fest in die Halle.
01.08.2011
Keine Fallschirmsprünge
„Die Regenvariante des Festes ließ nicht viel Spielraum zu“, sagt Vereinschef Wilfried Arlt. Die Anreise der Cessna aus Reinsdorf und die beiden Segelflugdoppelsitzer von den Flugplätzen Bronkow und Schwarzheide mussten aus Kostengründen abgesagt werden. Auch das Deutsche Rote Kreuz und die Finsterwalder Feuerwehrleute durften zu Hause bleiben. Einzig der Hubschrauber für die Rundflüge und der Doppeldecker mit den Cottbuser Fallschirmspringern standen auf dem Platz in Bereitschaft. Zwölf Mutige hatten sich für einen Tandemfallschirmsprung aus 2500 Metern Höhe angemeldet, doch auch die mussten am Boden bleiben.
Den Finsterwalder Fliegern blieb nichts weiter übrig, als in der Halle neben den Flugzeugen an den Biertischgarnituren zusammenzurücken und sich mit den wenigen Gästen die Erbsensuppe aus der Feldküche von Wolfgang Königs schmecken zu lassen. „So wurde aus dem Flugplatzfest immer noch ein Vereinsfest“, erzählt Wilfried Arlt schmunzelnd. „Immerhin sind an diesem Wochenende alle da, was sonst kaum machbar ist.“
Der erfahrene Flugleiter des Platzfestes Sebastian Globig hatte an diesem Wochenende außer Erbsensuppe zu essen und Kaffee zu trinken nicht viel zu tun. Seine eigentlichen Aufgaben, die Starts zu koordinieren und den Flugbetrieb im Blick zu behalten, konnte er nicht wahrnehmen. Der 32-Jährige sitzt beruflich seit sieben Jahren als Kopilot in einer Boeing 747 der Lufthansa und fliegt von einem Punkt der Erde zum anderen. Im Alter von 14 Jahren lernte er in Finsterwalde das Segelfliegen. „Auch wenn wir wollten, die schlechte Sicht und die tief hängenden Wolken lassen keinen Start zu“, erklärt der Berufs-Pilot.
Das war Tobias Harzdorf aus Chemnitz schon klar, als er sich am Nachmittag auf den Weg nach Finsterwalde machte. Aber allein wegen der Erbsensuppe und der Gespräche mit den Finsterwaldern sei es die Reise wert gewesen. Als Historiker in Sachen Fliegerei kennt er weit über 70 Flugplätze. Was die Sängerstädter mit ihrem kleinen Verein hier auf die Beine stellen, habe ihm angetan, sagt er.
Museum ist Denkmal
Vereinschef Wilfried Arlt hatte noch eine Überraschung parat. Das Flugplatzmuseum mit der alten Halle und sämtlichen historischen Fluggeräten ist seit wenigen Tagen technisches Denkmal.
Zu den Museumsfluggeräten gehört auch das einzige in der DDR gebaute Motorflugzeug „Tourist“ und das Baby 2B. Nun hofft Arlt auf Unterstützung von der Deutschen Stiftung für Denkmalpflege, um einen Großteil der Sammlung restaurieren zu lassen.
Von Dietmar Seidel
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