Finsterwalder Unternehmer sucht verzweifelt Nachwuchs

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Finsterwalde Carsten Kaiser würde lieber heute als morgen Leute einstellen. Doch er findet einfach keine. Seit Jahren sucht der Installateurmeister verzweifelt Lehrlinge. Auch hier Fehlanzeige. Jetzt startet der Finsterwalder einen letzten Versuch: Er wirbt direkt auf der Straße.

17.08.2011
Carsten Kaiser wirbt jetzt sogar schon auf der Straße, wie hier an der Brücke-Kreuzung, um Arbeitskräfte und Azubis. Foto: Dieter Babbe
Foto: Dieter Babbe
Als müsste der 39-Jährige die attraktiven Jobs in seiner kleinen Firma wie Sauerbier anbieten. Solar-Kaiser installiert nicht nur Heizungen, baut und saniert Bäder, das Unternehmen hat vor allem in der Zukunftsbranche alternativer Energien reichlich zu tun. Auf dem Dach der Turnhalle im Finsterwalder Sportpark steht ebenso Technik von Kaiser, wie zum Beispiel auch in der Grundschule in Hohenleipisch. „Die Auftragslage ist sehr gut“, sagt Carsten Kaiser, der das Geschäft 1999 von Altmeister Schirmel übernommen hat. „Ich könnte sofort mindestens zwei Installateure einstellen.“

Die Arbeitsagentur schickt auch welche. Doch die meisten kommen am Firmensitz in der Johannes-Knoche-Straße nicht an. „Wer es doch bis hierher schafft, will meist nur den Stempel, als Beleg, dass er sich beworben hat“, musste Silke Kaiser, die Ehefrau und gute Seele im Büro, erfahren. Erklären können sich Kaisers das nicht. „Wir sind ein junges zwölfköpfiges Team, mit erfahrenen Mitarbeitern gut durchmischt. Wir arbeiten nur in der Region, die Leute müssen nicht auf Montage, sind also abends zu Hause. Und auch das Geld stimmt. Gute Leute muss man gut bezahlen, sonst sind sie weg“, weiß Carsten Kaiser.

Den Nachwuchs selbst qualifizieren, ihn so an die Firma binden – das hatte sich der Chef eigentlich vorgestellt. Doch die Rechnung geht nicht auf. Seit vier Jahren findet Carsten Kaiser keine Azubis mehr – obwohl er nicht nur auf sie wartet. „Wir nehmen jedes Jahr an den Lehrstellenbörsen in den Schulen der Stadt teil. Wir machen Aushänge in den Oberschulen der Region und im Gymnasium. Beim Arbeitsamt kennt man unsere Wünsche. In allen regionalen Medien haben wir Anzeigen geschaltet. Doch alles war bisher zwecklos“, muss Carsten Kaiser feststellen. Es kommen zwar hin und wieder jugendliche Bewerber, „die sind auch alle nett“, aber für den Beruf des Installateurs reiche das nicht. „Die beste Note ist die 4, und mit einer 5 in Mathe und Physik kann man unsere Arbeit nicht machen“.

In anderen Unternehmen vor allem in der Baubranche gibt es ähnliche Nachwuchssorgen. Auch Elektriker und Gerüstbauer, aber auch Metallbauer und und Tischler suchen Hände ringend nach Arbeitskräften, stellt Ellen Lösche, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, fest und sagt: „Die Nachfragen nach qualifizierten Arbeitskräften sind in den Unternehmen doppelt und dreimal so hoch, wie die Arbeitsagentur Interessenten schicken kann.“ Auch der Ausbildungsmarkt ist gekippt: „Wir haben mehr freie Ausbildungsstellen als Bewerber. Der Bewerbermarkt ist erstmals in einen Stellenmarkt umgeschlagen“, beschreibt Claudia Sieber von der Arbeitsagentur Elbe-Elster die Situation.

Carsten Kaiser hat jetzt einen erneuten Versuch gestartet, an neue Leute zu kommen. An der Dresdner/Ecke Marthastraße und am Geländer der geschlossenen Gaststätte „Brücke“ hat er ein Riesentransparent angebracht, auf dem er um Installateure und Lehrlinge wirbt. Mit dem bisherigen Erfolg: „Einer hat sich gemeldet. Er wollte gleich anrufen und einen Termin machen. Auf den Anruf warte ich noch.“
Von Dieter Babbe
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