Wenn der Partner ausrastet
Finsterwalde Bevor sich eine Frau dazu entscheidet, ins Frauenhaus zu gehen, ist es oft ein langer Weg. Er kann mitunter Jahrzehnte dauern. Seit am 11. Mai 1994 die erste Frau in das Haus in Finsterwalde gezogen war, ist es im Landkreis unverzichtbar geworden und wird als Schutzeinrichtung für Opfer häuslicher Gewalt geschätzt.
03.08.2011
Langer Leidensweg
Oft geht dem Kontakt ein jahrelanger Leidensweg voraus. Judith Stets weiß von einer Frau, die mehr als 30 Jahre lang gelitten und erst als Rentnerin den ersten Schritt aus ihrer Not getan hat. Für Judith Stets und Margit Möbius, die sich durch ihre beruflichen Kompetenzen als Sozialpädagogin beziehungsweise Heilpädagogin sehr gut ergänzen, ist die Arbeit in einem intakten Netzwerk von Partnern sehr wichtig. Im Kooperationsgremium häusliche Gewalt des Landkreises trifft man sich mehrmals im Jahr, um die Kontakte aufzufrischen. Denn oft bedarf es vieler Stellschrauben, um einer von zu Hause geflohenen Frau bei ihrem Neuanfang Hilfe zu geben. Wenn notwendig stehe ganz am Anfang die Hilfe von Psychologen.
Eine der ersten Handlungen nach der Aufnahme einer Schutzsuchenden ist es, den Hauptwohnsitz der Frauen ins Frauenhaus zu verlagern, weil davon oft existenzielle Fragen abhängen. Judith Stets nennt als Beispiel den Alleinerzieherzuschuss, für den eine vom Partner getrennte Wohnanschrift entscheidend ist. „Wenn alles gut funktionieren soll, dann müssen Behörden an einem Strang ziehen“, sagt Judith Stets, die mehr als zehn Jahre als Schulsozialarbeiterin tätig war, bevor sie im November 2008 ins Frauenhaus nach Finsterwalde wechselte. Nach ihrer Beobachtung sind die Frauen, die unter dem Dach des Diakonischen Werkes Elbe-Elster Schutz suchen, immer jünger und gleichzeitig schon mit mehreren eigenen Kindern in ihre schwierige Lage geraten.
Frühere Hilfe gefordert
Judith Stets, selbst Mutter, werden die Augen feucht, wenn sie von jungen Frauen spricht, die offenbar selbst als Kinder keine richtige Familie erlebt haben, ihrem Nachwuchs Besseres ermöglichen wollten und nun selbst vor einem Trümmerhaufen ihrer Beziehung stehen. „Hilfe muss schon viel früher installiert werden, jungen Mädchen müssen Perspektiven aufgezeigt werden. Da müssen wir stärker investieren“, appelliert sie an die Gesellschaft. Wohl wissend, dass sich im Finsterwalder Frauenhaus nur die Spitze des Eisbergs offenbart. In ihrem vorangegangenen Beruf als Schulsozialarbeiterin hatte sie auch mit jungen Mädchen zu tun, deren komplizierter persönlicher Weg sich bereits abzeichnete.
Judith Stets und ihre Kollegin können Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, nur einladen, Schutz in ihrem Hause zu suchen, hier über ihren weiteren Weg nachzudenken und die Weichen neu zu stellen. 16 Plätze werden in dem von der Stadt gemieteten Gebäude in der Sängerstadt vorgehalten. Gemeinsam sind Küche, Bäder und Wohnstube zu nutzen. Hier Schutz zu finden, ist keine Frage der Kapazität. „Wenn wir wirklich einmal keine Gelegenheit haben, dann kooperieren wir auch mit Frauenhäusern in den Nachbarkreisen, so zum Beispiel in Lauchhammer.“
Den besten Weg finden
Dass statistisch betrachtet etwa 30 Prozent der Schutzsuchenden wieder zu ihren Männern zurückkehren, ein Teil von ihnen aber irgendwann ein zweites Mal im Frauenhaus ankommt, gehört auch zur Realität. „Das Wichtigste ist, dass die Frauen für sich den besten Weg finden. Wir bieten ihnen Hilfe zur Selbsthilfe an“, unterstreicht Judith Stets.
Monatlich durchgeführte Frauenfrühstücke und mobile Betreuungsangebote gehören ebenfalls zum Angebot des Hauses. Das hilfreiche Duo ist übrigens am Bereitschaftshandy an jedem Tag im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Keine Seltenheit ist es, dass sich ehemalige Bewohnerinnen mit Fragen an die Frauen wenden. Hin und wieder eine Karte von längst Ausgezogenen, die sich für die einst erwiesene Unterstützung bedanken und sich heute in ihrem Leben wohlfühlen, sind immer wieder ein besonders schöner Dank für die Frauen.
Zum Thema:
Zum ThemaInsgesamt 661 Frauen mit 571 Kindern haben in den Jahren von 1994 bis 2011 Schutz im Frauenhaus in Finsterwalde gesucht. Das sind im Schnitt 39 Frauen und 34 Kinder im Jahr. Es ist das einzige Haus seiner Art im Landkreis. Es wird im Wesentlichen zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel vom Kreis getragen. Um eine Kostendeckung herzustellen, müssten von den Frauen die Kosten der Unterkunft eingefordert werden. Dies werde im engen Kontakt mit dem Job-Center besprochen, erklärt Leiterin Judith Stets. Kontakt: 03531 703678.
Zum ThemaInsgesamt 661 Frauen mit 571 Kindern haben in den Jahren von 1994 bis 2011 Schutz im Frauenhaus in Finsterwalde gesucht. Das sind im Schnitt 39 Frauen und 34 Kinder im Jahr. Es ist das einzige Haus seiner Art im Landkreis. Es wird im Wesentlichen zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel vom Kreis getragen. Um eine Kostendeckung herzustellen, müssten von den Frauen die Kosten der Unterkunft eingefordert werden. Dies werde im engen Kontakt mit dem Job-Center besprochen, erklärt Leiterin Judith Stets. Kontakt: 03531 703678.
Von Gabi Böttcher
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